Warum Pläne für die Gegenwart wichtiger sind als für die Zukunft

Drei Viertel unserer Zukunftsgedanken haben mit Plänen zu tun. Sie sind Inseln der Kontrolle im Meer steigender Ungewissheit. Studien zeigen: Sie helfen nicht nur zwischen Jetzt und Zukunft, sondern auch im Jetzt und Hier.

Kostenloser Download mit Fakten und Anleitung für die besten Pläne


Pläne sind die Route, auf der Ziele erreicht werden. Sie sind das Navi, das dir erlaubt, die Fahrt zu genießen.


Zukunftsmusik


Wir planen in erster Linie für die Zukunft. Klar.

Damit wir Ziele erreichen und die Zeit effektiv nutzen.

Studienplan, Wochenplan, Putzplan.

Checklisten und To-Do-Listen.

Was muss zwischen jetzt und dann erledigt werden? Die geplanten Schritte bilden eine Brücke zwischen Intention und Aktion.


Pläne haben drei Merkmale [1]:

  • Sie beinhalten eine Intention zu handeln

  • Sie beinhalten zielgerichtete Schritte oder Strategien

  • Sind zukunftsgerichtet; es geht also um Handlungen, die noch nicht vollzogen wurden


Planen entlastet


Bewusst oder unbewusst planen wir die Zukunft aber nicht nur der Zukunft willen. Wir planen um uns zu entlasten und einfach besser zu fühlen.


Planen wirkt stimmungsaufhellend, reduziert Stress und Angst. Und das nicht nur im Alltag, sondern auch in extremen Situationen wie einer Depression.

Auch die Forschung hat das Planen für sich entdeckt. Nachdem die Psychologie die Thematik Vergangenheit ziemlich abgegrast hat und sich auf die Gegenwart gestürzt hat (Stichwort Achtsamkeit), wird nun zunehmend der Bereich Zukunft – Ziele und Planen – ins Visier genommen.


Schließlich ist es die Vorstellung der Zukunft, die dem Menschen evolutionär einen entscheidenden Vorteil gegenüber Kängurus und Schildkröten gegeben haben. Manche halten es für das Alleinstellungsmerkmal des Menschen schlechthin – und haben den Begriff Homo Prospectus geprägt [2].


Pragmatisches Planen vs. Grübeln und Träumen


Indes kann zu starkes Grübeln über Probleme und Tagträumen über die Weltherrschaft auch schädlich sein. Der Mensch schaut nach vorn – und stolpert dabei nicht selten über die Erfordernisse der Gegenwart.


Pragmatisches und realistisches Planen hingegen hat viel mit Kontrolle zu tun. Wer aufhört zu planen – etwa manch depressive oder ältere Menschen – der gibt ein Stück Kontrolle (und Mut) ab.


Planen für die Gegenwart


Leben ist das was passiert, während du eifrig andere Pläne machst.” – Allen Saunders

Einer der bekanntesten Psychologie-Forscher, Roy Baumeister (Roy, nicht Bob), fand in aufwändigen Studien, in denen 500 Teilnehmer wochenlang auf Schritt und Tritt nach Gedanken und Gefühlen befragt wurden, Folgendes heraus [3]:

  • Gegenwartsbezogene Gedanken sind am zahlreichsten.

  • Danach folgt die Zukunft. Wir denken drei mal so oft an zukünftige Ereignisse als an vergangene.

  • 75 Prozent des zukunftsorientierten Denkens hatte mit Planung zu tun.

  • 47 Prozent der Zukunftsgedanken enthielten Hoffnungen.

  • 22 Prozent handelten von Sorgen.

(Mehrfachnennungen waren möglich)


Soweit so gut.


Spannend aber war, wie es den Teilnehmern während den jeweiligen Gedanken ging.


Und hier zeigte sich, dass sich speziell das Planen meist gut anfühlt. Bei Gedanken im Zusammenhang mit Plänen gab es im Schnitt weniger Gedanken an Ängste, Ärger, Enttäuschungen und Stress – aber mehr Glücksgefühle. Planen ist hilfreich und effektiv. Nicht nur für deine Ziele, sondern für das Hier und Jetzt.


Und es sind nicht jene flüchtigen Glücksgedanken, die sich beim Planen einstellen. Vielmehr werden Pläne als bedeutungsvoll und sinnhaft angesehen. Pläne sind wohltuende Wegweiser.


Forschung: Planen als Intervention


Eine Studie aus dem Jahr 2012 testete die Wirksamkeit einer Selbsthilfe-Intervention (Zielsetzung und Planung) hinsichtlich des Wohlbefindens und Depressionen. Sie fanden eine signifikante Zunahme der positiven Emotionen und der Lebenszufriedenheit sowie eine signifikante Abnahme der negativen Auswirkungen und Depression direkt nach der Intervention und nach 5 Wochen, jeweils im Vergleich zum Ausgangswert [4].


Studien zeigten zudem dass planungsfreudige Personen generell zufriedener mit dem Leben sind [5].

Dabei ist es nicht so, dass glückliche Menschen eben mehr planen. Die Zufriedenheit steigt während und durch das Setzen von Zielen und das Planen [6].


Eine Studie von 2011 fand mehr unangenehmes Grübeln bei denen, die an Ziele ohne Plan dachten, als bei denen die mit einem Plan an Ziele dachten [7].


Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab, dass subjektiv wahrgenommene Kontrolle als Schutzfaktor wirken kann, der die psychologischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die allgemeine Gesundheit und die Lebenszufriedenheit abfedert [8].


Vorteile

  • Ordnung und Kontrolle: Pläne liefern Orientierung und konkrete Schritte. Mit Ihnen kannst du Chaos in Kunst verwandeln. Das Gefühl der Kontrolle und der Machbarkeit beruhigt und verringert die Ungewissheit.

  • Ziele erreichen: Indem Pläne eine Brücke zwischen Absichten und Taten schlagen, wirkt das Ziel näher. Die Wahrscheinlichkeit das Ziel zu erreichen wächst – und somit auch die Vorfreude im Jetzt. Denn guten Gefühle setzen bereits vor dem Siegertreppchen ein, wie Studien belegen: Jeder Schritt, jedes Häkchen auf der Liste, ist wie ein Minierfolg und somit immens wichtig, wenn man langfristigen Erfolg haben möchte, egal wo.

  • Sinnvolle Aktivitäten: Zielorientiertes und konkretes Zukunftsdenken fühlt sich sinnvoll an und erhöht die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu handeln.

Dabei hilft es wenn das Ziel intrinsisch motiviert ist (weil du es willst, nicht weil du es musst), wenn es die eigenen Werte widerspiegelt und wenn es du damit etwas aktiv und kreativ verfolgst, statt etwas zu vermeiden.


Wie ist Planen mit dem Wohlbefinden verbunden?

  • Zunächst einmal dadurch, dass Pläne das zielgerichtetes Verhalten erleichtern und Zielfortschritt das Wohlbefinden verbessert.

  • Sie bieten Struktur und lenken das Verhalten. Und sie liefern ein Gefühl der Verbindlichkeit und aktiven Teilhabe am Leben.

  • Du hast das Gefühl der Kontrolle weil ein möglicher Weg aufgezeigt wird – das Gefühl dass du das Ziel erreichen kannst. Menschen mit geringem Wohlbefinden haben dieses Gefühl oft nicht (mehr).

Gute Laune erhöht die Wahrscheinlichkeit zu planen und Pläne erhöhen die Wahrscheinlichkeit guter Laune.

Ich weiß, oft muss man Dinge auch einfach abarbeiten. Aber du kannst selbst dann vieles umformulieren und darauf schauen, welchen Nutzen du für dich und dein morgiges Selbst aus den eher nervigen Erledigungen ziehst.


Download: Verhalten ändern - effektiv und langfristig (3 Schritte)


Tipps für das perfekte Planen


Es wird keine Überraschung für dich sein, dass nicht jeder Plan aufgeht. Wie bei jeder komplexen Aufgabe wird man durch Fehler lernen müssen/dürfen. Wenn man zu viel in zu wenig Zeit packt zum Beispiel...


Damit du dir eine Menge Zeit und Ärger sparst und deine Pläne auf das nächste Level heben kannst, hier eine Zusammenfassung von Schritten, die führende Psychologen als besonders effektiv beim Planen erachten. Jeder dieser Schritte kann für sich eine große Hilfe darstellen, oder du gehst alle von oben bis unten durch.


1. Wähle dein Ziel


„Pick your battles“ ist ein geläufiges Sprichwort im Englischen. Du wirst mit der Welt interagieren müssen; du willst Dinge von der Welt, die Welt will Dinge von dir. Deine Zeit und Energie ist aber begrenzt.

  • Was hat Priorität für dich?

  • Was davon ist langfristig machbar, was ist kurzfristig umsetzbar?

  • Was ist das Ding das die anderen Dinge leichter macht?

Mach eine Liste und wähle ein bis zwei aus. Nicht zu schwer und nicht zu leicht.


2. Stell dir das Ergebnis vor


Das ist der angenehme Teil. Ungeübten wird es aber anfangs schwer fallen. Glaub mir, es wird schnell einfacher. Keine zu hohen Erwartungen.

  • Wie sieht das Ergebnis aus und wie fühlst du dich dabei?

  • Mach es konkret: Wie reagieren andere, wie reagiert dein Körper, dein Job, dein Hund, dein Konto?

Vision Board und positives Denken sind durchaus erlaubt (wenn du hier nicht stecken bleibst und auch die nächsten Schritte machst 😉).


3. Plan machen und fortlaufend optimieren


Pläne sollten möglichst konkret sein. Nicht: „Ich möchte mehr Joggen.“, sondern: „Ich gehe jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag um 7:30 Uhr eine Runde Joggen.“

· Wann?

· Wo?

· Was?

… und dennoch nicht zu starr. Flexibel bleiben. Kleine Überraschungen dürfen die Brücke nicht zum Einsturz bringen. Und es kommt immer ein bisschen anders als man denkt, bzw. plant.

Nicht zu viel reinpacken. Die Pläne sollten nicht zum Ersatz für die Aufgabe werden.

Feier die Teilerfolge und sieh deinen ganzen Plan nicht als gescheitert an, wenn ein bisschen was schief geht.


4. Mögliche Hindernisse


Dinge gehen schief, das ist ein Grundelement von Lebenssituationen und kein persönliches Versagen.

Studien zeigen, dass du das Ziel eher erreichst, wenn du dir vorher bewusst machst, was dir in den Weg kommen kann [9].

  • Was kann schief gehen?

  • Woran ist es bisher meistens gescheitert?


5. Was machst du wenn etwas schief geht?


Damit ein Computerprogramm nicht hängen bleibt, sind darin Unmengen von „wenn-dann“-Schleifen verbaut. Das ist effektiv und funktioniert auch für unseren Kopf-PC.

Es hat sich gezeigt, dass solche Wenn-Dann-Absichten mentale Assoziationen erzeugen, die fast automatisch umgesetzt werden und psychologisch gesprochen schwer zu brechen sind [10].


Wenn-Dann-Pläne sind Instant Gewohnheiten.


Schreib dir auf:

  • Wenn _______________ [Hindernis],

  • dann werde ich ______________________ .


Z.B.: Wenn ich nachmittags ein Tief habe, dann werde ich kurz rausgehen und um den Block spazieren (statt den 4. Kaffee zu trinken).


6. Langfristig dran bleiben


Komm in den Flow. Eine der wichtigsten Quellen menschlichen Glücks sind Aufgaben, die weder zu schwer noch zu leicht sind.


Es geht um realistische, überprüfbare Schritte. Dadurch erfährst du Erfolg in der Zukunft und Vorfreude im Jetzt.


Optimieren und nach einer Woche prüfen – was klappt gut, was klappt nicht? Ich führe hierfür Listen, z.B. um die Morgenroutine zu verbessern und neuen Umständen anzupassen.

Es wird nicht immer klappen. Überleg dir nicht nur einen Wenn-Dann Plan für die kleinen Dinge, sondern auch, welche größeren Anpassungen du machen musst, wenn du ordentlich scheiterst.


Untersuchungen von Stanford-Professorin Kelly McGonigal haben gezeigt, dass der Grund für nachlassende Motivation oft ist, dass man keinen Plan für ein Scheitern hat [11].


Du wirst feststellen, dass einzelne Fehler nur geringe Auswirkungen auf deinen langfristigen Erfolg haben, so lange du die Richtung hältst und konsequent bleibst. Perfektion ist eine Alles-oder-Nichts-Falle. Konsequent sein hingegen ist nicht dasselbe wie perfekt sein. Das hilft langfristig und macht dich im Jetzt gelassener.


Und wenn das Planen trotzdem nervt?


Wenn man eh schon schlechte Laune hat, fehlt meist auch die Motivation zum Planen und an Ziele zu denken. Warum? Weil man nicht an die Hürden und Probleme denken möchte, die kommen könnten. Und weil es schlicht und ergreifend ein bisschen Kraft kostet.


Wer erschöpft ist, hat oft keine Lust mehr zu planen – vor allem wenn die Unsicherheit vorherrscht.


Drei Gründe, warum du es trotzdem machen solltest:

  1. Ja, beim Planen musst du auch an Schwierigkeiten denken. Aber denk mal logisch: Ohne die Pläne hast du noch weniger Kontrolle und Klarheit – und somit noch mehr Schwierigkeiten oder sogar Angst vor dem großen Unbekannten da vorne. Wenn du den Weg nicht kennst, benutzt du ein Navi, dann hast du Kopf frei und kannst die Landschaft oder ein Hörbuch genießen.

  2. Tagträumer und naive Positiv-Denker ignorieren mögliche Probleme oft und fangen entweder erst gar nicht an, oder werden dann von Widrigkeiten (das können auch positive Dopamin-Freuden wie ein überraschender Kuchen oder Bier sein) überrascht.

  3. Das Leben stellt dir unentwegt Fragen – mit oder ohne Plan. Pläne beantworten diese zum Teil, der Nebel lichtet sich. Das beruhigt.


Take Away: Pläne helfen dir für die Zukunft und die Gegenwart


Ein Plan negiert das Jetzt nicht, er erleichtert es. Das Wissen darum, wie Aufgaben gemeistert werden könnten, vertreiben Sorgen [7].


Pläne erhellen die Zukunft und entspannen das Jetzt.


Pläne reduzieren störendes Denken über Ziele, die – definitionsgemäß – noch nicht erfüllt wurden und daher Aufmerksamkeit fordern. Dadurch werden Ressourcen für die Gegenwart frei.


“Pläne tragen dazu bei, Ziele ins Bett zu legen. Aber du solltest sie nicht einschlafen lassen: Die Pläne sollen kein Ersatz für Maßnahmen werden.“ (Andrew MacLeod) [1].

Kritik oder Ideen? Schreib kurz: