Denken wie die Alten und handeln wie die Jungen

Was man aus Langzeitstudien über die Lebenszufriedenheit lernen kann.

Ein bekanntes Diktum lautet ungefähr so:

  • Wenn du jung bist, hast du Zeit und du hast Gesundheit, aber du hast kein Geld.

  • Wenn du mittleren Alters bist, hast du Geld und Gesundheit, aber du hast keine Zeit.

  • Wenn du alt bist, hast du Geld und Zeit, aber du hast weniger Gesundheit.

Das Glas ist immer voll – nur mit was?


In Bezug auf dieses Sprichwort würden Menschen, die mangelorientiert denken, vielleicht sagen: Als ich jung war und Geld brauchte hatte ich keins, als Erwachsender hatte ich keine Zeit, als Älterer machte meine Gesundheit schlapp – immer fehlt etwas.


Dabei ist ein Ja zu etwas im Gegenzug auch generell der Verzicht auf etwas anderes. Ein Glas kann nicht gleichzeitig voll mit Wasser, Saft und Wein sein: Wer ein volles Glas Wein möchte, verzichtet auf Wasser und Saft.


Mit einer erweiterten, lösungsorientierten Perspektive könnte eine andere Person in der Jugend Zeit und Vitalität genießen, im Erwachsenenalter die Gesundheit und wachsende finanzielle Möglichkeiten zu schätzen wissen, um im letzten Lebensdrittel die Zeit zu nutzen für die zahllosen Dinge, die das Leben auch bei nachlassenden Kräften noch bietet.


Download: Warum Veränderungen meist nicht halten - und wie du dranbleibst


Langzeitstudien über die Lebenszufriedenheit


Soziologen und Psychologen sehen drei Aspekte, die bei Jüngeren zu mehr Glücksempfinden beitragen:

  • Mehr Freunde und mehr Zeit mit Freunden

  • Weniger Konkurrenz und Wettbewerb

  • Mehr mutiges und aktives Handeln

Wie sieht es mit der älteren Generation aus, was können wir von ihnen lernen?


Vor allem eine gelassene und positive Sichtweise, meint die Entwicklungspsychologin Ute Kunzmann von der Universität Leipzig. „Ältere reagieren oft mehr auf das Positive", weiß sie.


Natürlich gebe es auch Miesepeter und Ältere mit schwerwiegenden Belastungen.

"Aber viele haben im Vergleich zu jungen Erwachsenen gute Strategien entwickelt, um ihre Probleme zu bewältigen.“

Dazu gehöre, sich nicht mehr so stark mit anderen zu vergleichen und eine stärker ausgebildete Selbstdistanz.


Sie hatten schließlich viele Jahre Zeit zu lernen, z.B. mit Gefühlen umzugehen, Abstand von negativen Selbstgesprächen zu gewinnen und Akzeptanz zu kultivieren.


Ute Kunzmann zeigt Probanden in ihren Studien häufig Filmausschnitte und untersucht die emotionalen Reaktionen. Ergebnis: Die älteren Teilnehmer reagieren empathischer, gelassener und milder als die jüngeren.


Zusätzlich sind Ältere im Rückblick aufs Leben und auch in der Gegenwart dankbarerer und betonen die schönen Dinge, klein und groß.


Ob das dann geschönt ist, macht aus psychologischer Sicht ohnehin keinen Unterschied. Weder die graue noch die rosarote Brille bildet eine objektive Realität ab. Wir erzählen uns zeitlebens eine höchst subjektive und gefärbte Story.


Warum also nicht der zuversichtlichen Geschichte den Vorzug geben? Sie ist genauso wahr oder falsch wie die schwarzseherische.